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Manfred Luer schrieb in Vinum Ausgabe Juli-August 2003 über
das Weingut:
In einem fast vergessenen Tal wächst
ein geheimnisvoller Wein, wie man ihn bereits vor Jahrhunderten
getrunken hat.
Irgendwann
am Ortsende von Mannweiler-Cölln: An der B 420 steht eine handbetriebene
Bahnschranke und auf der anderen Seite die Hahnmühle. Doch
der Weg dorthin ist verflixt und zugehext. Die Regionalbahn nach
Pirmasens fährt zwar selten, doch wer die Schranke geschlossen
erwischt, muss lange warten. Die Zeit wird immer zäher, dehnt
und dehnt sich. Wenn dann der Triebwagen vorbeirauscht, ist es wie
ein Spuk — wozu braucht es hier, wo alles aussieht wie im
Märchenland, eine Bahn und eine Schranke obendrein?
Auf dem Gut empfängt einen herzlich das sympathische Winzerehepaar
Martina und Peter Linxweiler. Der Blick geht zurück- aber nicht
mehr im Zorn. Oberhalb der Schranke wiegen sich im steilen Cöllner
Rosenberg Riesling- und Traminer-Reben im Wind. „In den Südlagen
haben wir tolle Böden und ein vorteilhaftes Mikroklima“,
schwärmt Martina Linxweiler. Mir wird wieder warm ums Herz.
In dem abgelegenen Alsenztal südlich von Bad Kreuznach zwischen
Nahe und Pfalz leisten die Linxweilers Pionierarbeit; sie bestocken
alte Lagen, die teils seit 50 Jahren brachliegen.
Die Spezialität des Naturland-Ökoguts ist ein Vinosaurier,
der in unserer modernen Welt der Monsterweine eigentlich zum Aussterben
verurteilt ist: der klassische Mischsatz aus Riesling und Traminer.
Im so genannten gemischten Satz standen bis zum 17. Jahrhundert
noch all die Reben in Europa. Auf diese Tradition — sie wurde
im Alsenztal bis in die 1960er Jahre gepflegt — rekurrieren
die Linxweilers. Die beiden Rebsorten werden gemeinsam gelesen und
lange auf der Feinhefe vergoren. Dem stahligen Riesling wird durch
den duftigen Traminer die Härte genommen und samtige Fülle
gegeben. Reiche Rosen- und Aprikosenaromen changieren in kristallklarer
Struktur, mit fein herausgearbeiteter Säure und nobler Stoffigkeit.
Ein himmlischer „Long Drink“ zum Ziegenkäse, zu
sommerfrischen Salaten und zu süß-sauren Wok-Gerichten,
der auch solo auf der Terrasse getrunken süperb schmeckt. Man
fährt nur ungern wieder weg von jenem magischen Ort. Die vermaledeite
Schranke steht dort nicht umsonst; dahinter endet die märchenhafte
Weingeschichte. Nur die Weinkartons im Kofferraum mögen ein
wenig darüber hinwegtrösten.
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