läden import & Großhandel Ökologische Wein Aktuelles Firmengeschichte

Einige Meldungen aus der Presse zum Ende des Projekts Nachhaltigkeitszentrum in Ottensen - ursprunglich als „Das Ö - die Welt der Lebensqualität“ gestartet und als „Vivo!“ gestorben:


„Die TAZ“ vom 23. Juli 2002:
Vivo lebt erst später
Altonaer Ökozentrum wird statt im Oktober, nun doch erst Ende Februar eröffnet: Weiterhin zu wenig Mieter
Aus dem Altonaer Nachhaltigkeitszentrum "Ö", das inzwischen "Vivo!" heißt und Anfang Oktober eröffnet werden sollte, wird nun doch erst im kommenden Frühjahr etwas. "Viele Mieter haben sich etwas mehr Zeit für die Bestellung von Waren und die Ladengestaltung gewünscht", sagt Peter Moll von der Kölner ecom AG, dem Betreiber des "Vivo!".
Doch Grund wird auch gewesen sein, dass es noch gar nicht genügend Mieter gibt: "60 Prozent der Ladenflächen sind kurz vor dem Abschluss", sagt Moll. Bis Oktober hätte man die 80 Prozent wenn überhaupt, dann nur mit Mühe geschafft. Die aber müssen es mindestens sein, "vorher macht man die Bude nicht auf". Denn ein halbleeres Einkaufszentrum wirke auf die Konsumenten so unattraktiv, "dass die Immobilie verbrennt".
Weil aber mit etlichen Mietern bereits Verträge geschlossen sind, gibt es Verhandlungsbedarf. "Mit der Apotheke und mit dem Bio-Supermarkt sind wir noch im Gespräch", sagt Moll. Und das Zentrum für Umweltmedizin und Allergologie, das nicht auf Laufkundschaft angewiesen ist, darf schon vorher einziehen. Auch die Gastronomen stehen in den Startlöchern.
Geplant ist, den Standort bei den Bürgern schon mal so richtig bekannt zu machen, "durch eine konsequente Vornutzung". Das soll beispielsweise ein internationaler Weihnachtsmarkt mit fair gehandelten Produkten sein. "Wir denken auch an eine kulinarische Kinonacht. Die Gastronome bieten Speisen an, und wir zeigen drei Filme rund ums Essen", visioniert Moll. "Chocolat", "Das große Fressen" und vielleicht "Dinner for One"? "san


„Hamburger Morgenpost“ vom 28. Januar 2003:
Der Öko-Flop
Matthias Onken
Bio-Einkaufscenter steht leer, Eröffnung erneut vertagt. Projekt verschlang 40 Millionen Euro Steuergelder
Das Bio-Einkaufscenter "VIVO!", das früher "das Ö" hieß. Mit diesem Projekt wollten die Planer der Republik zeigen, wo es längs geht. Ein Konsumtempel im quirligen Ottensen mit bis zu 70 Betrieben, jeder einzelne mit Haut und Haar dem Umweltschutz verschrieben. Nachhaltigkeit war das Zauberwort, das alle beflügelte. Gut 40 Millionen Euro investierte die städtische HaGG. Steuergelder also, die wieder reingeholt werden sollten. Seit Monaten ist das "VIVO!" fertig. Aber die Mieter bleiben aus, die Eröffnung ist erneut verschoben.
Investoren konventioneller Einkaufszentren blicken fast mitleidig nach Ottensen. Schon im Oktober sollte das architektonisch hochgelobte Kaufhaus an der Ecke Bahrenfelder Straße/Gaußstraße eröffnen. Bezugsfertig wäre der Bau zwar gewesen, allein der Ladenausbau verzögere sich, hieß es damals. Neuer Starttermin: 26. Februar. Auch der kann nicht gehalten werden, bestätigte Peter Moll, Vorstand der Kölner ecom.AG, seit knapp einem Jahr zuständig für Vermietung und Management. Jetzt soll es am 2. April losgehen. Auch dafür will Moll seine Hand aber nicht ins Feuer legen.
Wie ein Geisterhaus mutet das "VIVO!" an. Eine Arztpraxis zog im Dezember in den zweiten Stock, eine Hand voll Handwerker verläuft sich auf den vier Geschossen. Gähnende Leere bestimmt das Bild. "Große Schwierigkeiten" räumt Moll ein. Gründe dafür gibts mehrere: die Krise des Einzelhandels, die durch den Öko-Boom entstandene Angebotsvielfalt, nicht zuletzt der kurzfristige Wechsel des Vermarkters. Ein Insider: "Der Vorgänger der ecom hatte sich Kontakte und Vertrauen über Jahre aufgebaut. Das musste alles von vorn beginnen -°ein Desaster für ein Großprojekt." Das "VIVO!" reicht mit 20000 Quadratmetern Verkaufsfläche (drei Fußballplätze) dem "Mercado" fast das Wasser.
Dass die Mieten zu hoch, angeblich erst rund ein halbes Dutzend Verträge unterschrieben sind, bestreitet Moll: "Wir bieten natürlich Sonderkonditionen. Auch das wiegt die Krise aber nicht auf. Dennoch: 60 Prozent sind belegt." Der Öko-Anspruch an die Mieter ist nach MOPO-Informationen allerdings gesunken: So zieht ein Haushaltswarengeschäft ein, das angeblich Produkte aus Kinderarbeit in seinem Sortiment führt. Moll: "Mit dem Mieter führen wir bereits intensive Gespräche."


„Die TAZ“ vom 11. März 2003:
Ökozentrum Vivo wird leben
Im Ottenser Nachhaltigkeitszentrum Vivo beginnen dieser Tage die Vorbereitungen für den Einzug der Mieter. Für 80 Prozent der Flächen mit Publikumsverkehr seien feste Mietverträge abgeschlossen worden, versicherte Peter Moll von der Firma Ecom, die das Vivo vermarktet. Am 2. April werde das Zentrum mit einem Drittel-Mix aus Handel, Gewerbe und Dienstleistungen eröffnet. Alle Mieter wurden auf einen Kriterien-Katalog für eine nachhaltige Wirtschaftsweise verpflichtet.
"Es wird eine ungewöhnliche Eröffnung werden", kündigte Moll der taz hamburg an. Eine Eröffnung eher nach dem Motto "Jetzt geht's los" statt "Wir haben es geschafft", denn es gehe ja darum, das Thema "nachhaltiges Wirtschaften" in dem Zentrum zu entwickeln. Neben ökologischem Lebensmittelhandel und Mietern aus der Sparte Gesundheit und Wellness hat Moll eigenen Angaben zufolge inzwischen auch Handwerker für das Projekt gewinnen können: Mehrere Kunsthandwerker teilten sich ein Atelier. Außerdem habe sich eine Schneiderin für Designermode eingemietet.
Eine Arztpraxis ist schon vor Monaten eingezogen. Mit der "Vivo-Apotheke" wird am 21. März an der Gaußstraße das erste Geschäft öffnen. Die Apotheke ist auf ganzheitliche Medizin spezialisiert und bietet Umweltanalysen an. Möglicherweise werde auch das erste Café noch im März öffnen, deutete Center-Manager Lutz Deubel an. knö


Pressestelle der Finanzbehörde vom 19. März 2003:
VIVO!: Ausschließliche Nutzung als Nachhaltigkeitszentrum wirtschaftlich auf Dauer nicht tragfähig - Neupositionierung soll dem Objekt eine wirtschaftlich gesicherte Zukunft geben
Das vom Senat in den neunziger Jahren beschlossene Konzept für ein Zentrum für nachhaltiges Wirtschaften - VIVO! - hat sich als wirtschaftlich nicht tragbar erwiesen. Es beinhaltet darüber hinaus erhebliche finanzielle Zukunftsrisiken für den Hamburger Haushalt. Daher wird dieses Konzept aufgegeben.
Die SpriAG - Sprinkenhof AG ist von der Finanzbehörde beauftragt worden, ein erweitertes Nutzungskonzept zu entwickeln, das dem Objekt eine wirtschaftlich gesicherte Zukunft gibt und die finanziellen Risiken für die Stadt minimiert.
Das "VIVO!" wird mit dem bisherigen Konzept "Nachhaltigkeitszentrum" auf Dauer nicht kostendeckend zu bewirtschaften sein. Dies ergibt sich bereits daraus, dass selbst die das Projekt positiv bewertenden Gutachten der neunziger Jahre davon ausgingen, dass das "Öko-Zentrum" zu einem Magneten für den ganzen Hamburger Raum werden müsse, um wirtschaftlich betrieben werden zu können.
Angesichts des im VIVO bisher realisierten Mieterbesatzes und der Mietinteressenten ist ein Kundenzustrom über das unmittelbare Einzugsgebiet hinaus jedoch nicht zu erwarten. Für das Geschäftsjahr 2003 ist mit einem Fehlbetrag von mindestens 2,5 Mio. EUR auszugehen. Sollte sich die Vermietungslage nicht deutlich bessern, ist auch in den Folgejahren mit ähnlichen Fehlbeträgen zu rechnen.
Nach der Hamburgischen Landesverfassung und der Landeshaushaltsordnung ist der Senat verpflichtet, bei der Durchführung von Maßnahmen mit finanzieller Bedeutung den Grundsatz der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit zu beachten und Ausgaben nur zu tätigen, soweit sie zur wirtschaftlichen und sparsamen Haushaltsführung erforderlich sind. Die seit dem 19. März 2003 für die HaGG und damit die HaGG Immobilien fachlich zuständige Finanzbehörde ist nach Abwägung der für und gegen die Fortführung des Konzepts "Nachhaltigkeitszentrum" streitenden Belange zu dem Ergebnis gekommen, dass es nicht fortgeführt wird, weil es wirtschaftlich nicht zu betreiben ist.
Das "VIVO!" wird deshalb nicht - wie zuletzt geplant - am 2. April 2003 als Nachhaltigkeitszentrum eröffnet werden. Es werden zunächst auch keine weiteren Mietverträge unterzeichnet, die eine anderweitige großflächige Nutzung erschweren könnten. Die Finanzbehörde hat die städtische SpriAG beauftragt, ein neuartiges Konzept zu entwickeln. Dabei wird der SpriAG freie Hand gelassen im Hinblick auf eine dauerhaft wirtschaftlich sinnvolle Lösung für die Stadt.
Finanzsenator Dr. Wolfgang Peiner: "Die Entwicklung des 'VIVO!' zu einem überregionalen Anziehungspunkt als reines Nachhaltigkeitszentrum ist nach den bisherigen Erfahrungen mit der Vermarktung nicht zu erwarten. Die bilanziellen Abschlussarbeiten für das Geschäftsjahr 2002 deuten weitere, dauerhafte finanzielle Belastungen für den Hamburger Haushalt in einer Höhe von mindestens 2,5 Mio. EUR p.a. ab dem Jahr 2004 an.
Vor diesem Hintergrund ist es wirtschaftlich nicht vertretbar, das 'VIVO!' allein als Nachhaltigkeitszentrum fortzuführen. Deshalb habe ich entschieden, das Objekt aus der engen Bindung eines Nachhaltigkeitszentrums zu lösen und auch für andere Nutzungen zu öffnen. Nur so können wir sich abzeichnende dauerhafte finanzielle Belastungen des Hamburger Haushaltes vermeiden."


„Hamburger Abendblatt“ vom 20. März 2003:
Ökozentrum: Schon vorm Start am Ende
Zu wenig Mieter, zu wenig Kunden: Das Vivo! ist wirtschaftlich nicht tragbar, sagt der Senat.
Von Andreas Burgmayer
Deutschlands erstes ökologisches Einkaufszentrum, das Vivo! an der Bahrenfelder Straße in Altona steht vor dem endgültigen Aus. Finanzsenator Wolfgang Peiner (59) hat das in den 90er-Jahren vom rot-grünen Vorgängersenat beschlossene Konzept für wirtschaftlich nicht tragbar erklärt. Senator Peiner: "Ein reines Zentrum für Öko-Freaks: Dafür gibt es zu wenig Mieter und zu wenig Kunden." Um weitere Kosten für die Staatskasse abzuwenden, hat Peiner nun die Sprinkenhof AG beauftragt, ein erweitertes Nutzungskonzept zu entwickeln.
Die Betreiber des Zentrums, die Ecom AG in Köln, haben es nicht geschafft, genügend Mieter für das Vivo! zu besorgen. Mehrmals wurde der Eröffnungstermin verschoben. Für das Geschäftsjahr 2003 ermittelte die Finanzbehörde nun einen Fehlbetrag von 2,5 Millionen Euro. Und auch in den Folgejahren sei mit ähnlichen Ausfällen zu rechnen. Deswegen nun also die Notbremse des Finanzsenators, der sich dazu nach der Landesverfassung und Haushaltsordnung verpflichtet fühlt.
Karl-Heinz Ehlers (61), Vorstand der Sprinkenhof AG, hat von Peiner "freie Hand" für eine sinnvolle Lösung bekommen. Ehlers findet deutliche Worte: "Das Ding war und ist eine Fehlgeburt: Es ist zu groß, es ist an der falschen Stelle, und es hat das falsche Konzept." Die bisherigen Bilanzen des Betreibers, wonach 60 Prozent der 20 000 Quadratmeter-Fläche des Zentrums vermietet seien, nennt Ehlers "extrem geschönt". Für die zukünftige Nutzung denkt er in alle Richtungen: "Auch die Stadt ist gefordert zu überlegen, ob das Zentrum mit eigenen Ressourcen zu bestücken ist." Statt Öko-Einkaufszentrum also ein modernes Behördenzentrum? Finanzsenator Peiner stellt fest: "Jedes Zentrum braucht einen Magnet, damit es Kundenfrequenz bekommt. Dieses fehlt dem Vivo." Denkbar ist also auch ein gemischtes Einkaufszentrum mit Öko-Läden und einer großen Kette als Zugpferd.
Die Bezirksversammlung und der Hauptausschuss in Altona hatten sich für eine nachhaltige Nutzung des Vivo! ausgesprochen. Entsprechend stoßen die Pläne der Finanzbehörde auf Widerstand im Altonaer Rathaus: "Planen kann die Sprinkenhof ja vieles. Doch die Bezirkspolitik wird da nicht mitmachen", sagt der Sprecher des Bezirksamtes, Rainer Doleschall (58). "Wir wollen an dieser Stelle keine andere Nutzung." Dazu Karl-Heinz Ehlers: "Die Sache wird nicht einfach werden. Doch an Bezirksversammlungsbeschlüsse fühlen wir uns nach den klaren Worten des Senators nicht gebunden."


„Die Welt“ vom 20. März 2003:
Aus für Deutschlands erstes Öko-Einkaufszentrum
Behörde zieht wegen mangelnder Vermietung die Notbremse - Fehlbetrag von 2,5 Millionen Euro
von Oliver Schirg
Die Hamburger Finanzbehörde hat im Falle des wirtschaftlich angeschlagenen ersten Öko-Einkaufszentrums Deutschlands die Notbremse gezogen. „Das vom Senat in den neunziger Jahren beschlossene Konzept für ein Zentrum für nachhaltiges Wirtschaften - Vivo - hat sich als wirtschaftlich nicht tragbar erwiesen", erklärte die Behörde am Mittwoch. Darüber hinaus beinhalte es erhebliche finanzielle Zukunftsrisiken für den Haushalt der Hansestadt. „Daher wird dieses Konzept aufgegeben." Zugleich sei die städtische Sprinkenhof AG (SpriAG) beauftragt worden, ein erweitertes Nutzungskonzept zu entwickeln, „das dem Objekt eine wirtschaftlich gesicherte Zukunft gibt und die finanziellen Risiken für die Stadt minimiert". Bauherr und Investor des 40-Millionen-Euro-Projekts in Ottensen war die Hamburger Gesellschaft für Grundstücksverwaltung und Projektplanung. Während die Stadt an dieser Gesellschaft zu 60 Prozent beteiligt ist, halten Handels- und Handwerkskammer jeweils 20 Prozent. Insgesamt sollten in dem dreistöckigen Gebäude bis zu 80 Geschäfte, Naturkostläden, Möbel- und Textilgeschäfte oder ein Öko-Baumarkt ihre Waren auf insgesamt rund 20 000 Quadratmetern feilbieten. Bis zu 400 neue Arbeitsplätze waren geplant. Ursprünglich sollte das Vivo am 2. April eröffnet werden. Allerdings verlief die Vermietung in den vergangenen Monaten schleppend. Die Eröffnung musste mehrfach verschoben werden.
Die Finanzbehörde geht inzwischen für das Geschäftsjahr 2003 von einem Fehlbetrag in Höhe von mindestens 2,5 Millionen Euro aus. „Sollte sich die Vermietungslage nicht deutlich bessern, ist auch in den Folgejahren mit ähnlichen Fehlbeträgen zu rechnen", heißt es in der Erklärung. Zugleich rechnet Finanzsenator Wolfgang Peiner nicht damit, dass sich das Vivo „zu einem überregionalen Anziehungspunkt" entwickelt. Auf Grund dieser Situation habe er entschieden, „das Objekt aus der engen Bindung eines Nachhaltigkeitszentrums zu lösen und auch für andere Nutzungen zu öffnen", erklärte der Senator. Nur dadurch ließen sich dauerhafte finanzielle Belastungen des Haushalts vermeiden.


Pressemeldung auf www.bio-supermaerkte.de vom 21. März 2003:
Ökologisches Einkaufszentrum in Hamburg wird nicht eröffnet
Autor: Kai Kreuzer
Es sollte das größte Öko-Zentrum Europas werden, das Vivo in Hamburg. Als „das Ö“ gestartet und seit 1997 in der Vorbereitung, platzte nun das ganze Projekt, kurz vor dem geplanten Eröffnungstermin am 2. April 2003. Das Altonaer Wochenblatt titelte am 26.3.2003 „Vivo: das endgültige Aus“. In dem Artikel ist davon die Rede, dass die Finanzbehörde die Notbremse zöge. Knapp 14 Tage vor dem geplanten Eröffnungstermin habe Hamburgs Finanzsenator Wolfgang Peiner das bundesweit einmalige Projekt gestoppt. Grund sei die schleppende Vermietung sowie ein befürchteter Fehlbetrag von 2,5 Mio. Euro, so das kostenlose Stadtteilblatt.
Bereits zwei Mal war die Eröffnung des 40 Millionen-Euro-Projekts verschoben worden. Ursprünglicher Termin war der Oktober 2002 gewesen, dann hieß es 26. Februar für die Einweihung der 20.000 qm großen Gewerbefläche. Bauherr und Investor des geplanten Nachhaltigkeitszentrums, wie es auch genannt wurde, war die Hamburger Gesellschaft für Grundstücksverwaltung und Projektplanung (HaGG). Die Stadt Hamburg ist zu 60 % an dieser Gesellschaft beteiligt, zu je 20 % sind es die Handwerkskammer und die Handelskammer. Für die Planung und Vermietung war Peter Moll (siehe Bild) von der Unternehmensberatung Ecom in Köln verantwortlich. Zu einer Stellungnahme sah sich die Ecom außerstande, da ihnen die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit untersagt worden sei.
Ausgangspunkt der Planungen war ein Zusammenschluß von Handwerkern, Händlern und Dienstleistern aus der Öko-Branche gewesen. Ziel des Öko-Kaufhaus Gedankens war ein gemeinsames Auftreten nach Außen sowie ein Profitieren von Synergieeffekten, die durch die Ansiedlung unter einem Dach entstehen.
In einem Artikel des Hamburger Abendblatts vom 3.2.2003 wird darüber berichtet, dass 60 % der Verkaufsfläche unter Vertrag sei. „Läden aus den Bereichen Kosmetik, Schuhe, Spielzeug und Bücher seien in Planung,“ sagte Moll dem Abendblatt, doch sei vieles „Wunschdenken“. Die Rezession treffe das Projekt hart. Eine nicht ganz unwichtige Rolle dürften die angepeilten Mieten gespielt haben. Sie sollen zwischen zwölf und 20 Euro je Quadratmeter betragen haben, zuzüglich sechs Euro für das Centermanagement. Dass es Probleme in der Vermarktung der Flächen gab, ist schon seit längerem bekannt. Ende Januar erschien ein kurzer Beitrag in der Morgenpost, in dem die Befürchtung geäußert wurde, dass der Imageschaden, der durch Leerstand entsteht, dem „ambitionierten Projekt den Todesstoß“ versetzen könnte. Autor Matthias Onken: „Kaum einer der für die Bio-Branche typischen Kleinbetriebe setzt mit einem Standortwechsel derzeit seine Existenz aufs Spiel.“
Weitere Gründe für ein Scheitern sieht die Tageszeitung Taz: „zögerliche Mietinteressenten und kein Anschluss an die Öko-Szene“. Der Wechsel des Öko-Zentrum-Betreibers von der Neuwerk Consult hin zur Ecom AG habe geschadet. Daraufhin, so die Taz Hamburg, seien viele avisierte Mieter abgesprungen. Im Vorfeld, so die Replik, hätten HaGG und Neuwerk versäumt, feste Mietverträge abzuschließen, um die Interessenten bei der Stange zu halten. Fazit ist, dass die unsichere Vermietungssituation dazu geführte, dass jeder gewartet hat, bis der andere den ersten Schritt unternimmt.
Nun steht das Gebäude in Altona in baulich fertigen Zustand da und wartet auf eine Nutzung. Ein transparenter Glaspalast, der eine Wohnwagensiedlung, die vorher auf diesem Gelände war, verdrängt hat. Letzter Schritt in der unheilvollen Entwicklung: die städtische Immobiliengesellschaft Sprinkenhof AG mit ihrem Chef Karl-Heinz Ehlers (CDU) bekommt die Verwertungsrechte. Ein Behördensprecher, so das Altonaer Wochenblatt, habe betont, dass er dafür „freie Hand“ bekäme. Das bisherige Konzept werde aufgegeben. Für die zukünftige Nutzung kann sich Ehlers verschiedene Konzepte vorstellen, sei es ein Behördenzentrum oder auch ein gemischtes Einkaufszentrum u.a. mit Öko-Läden.
Erdkorn Discounter springt ab
Mit am neuen Vivo beteiligt sein sollte der Bio-Discounter Erdkorn. Bereits seit zwei Jahren in die Planungen eingebunden, ist Erdkorn-Geschäftsführer Thomas Hinz Mitte Januar ausgestiegen. Seine Anforderungen waren, wie er sagt, bis dahin nicht erfüllt worden. Er war vor allem mit dem Branchenmix im Einkaufscenter nicht zufrieden.
„Es ist nie so komplett zustande gekommen,“ so Hinz, wie die Planung dies vorgesehen hatte. Außerdem hielt er Ottensen/Altona als Standort bei weitem nicht für ideal. Diese Lage sei aus verschiedenen Gründen nicht besonders geeignet. Es gäbe dort bereits eine hohe Dichte an Bio-Fachgeschäften, hinzu komme die soziodemographische Struktur als Szeneviertel und außerdem sei die Verkehrsanbindung nicht gut genug.
„Das kann durch eine ordentliche PR und einen absolut passenden Branchenmix wieder ausgeglichen werden“, ist Hinz überzeugt. Aber letzteres hätte es eben nicht geben. Daher habe er für eine Verschiebung des Eröffnungstermins plädiert, bis alle Flächen vermietet gewesen seien. Eine „zu geringe Professionalität beim Management“ habe ihn letztlich dazu bewogen aus dem Konzept auszusteigen.


„Altonaer Zeitung Online“ vom 21. März 2003:
VIVO vor dem Aus
Ökozentrum wird es nicht geben
von Marcus Surges
Das VIVO-Nachhaltigkeitszentrum in der Bahrenfelder Straße wird es nie geben. Finanzsenator Wolfgang Peiner (CDU) hat die Notbremse gezogen. Die Betreibergesellschaft Ecom AG aus Köln konnte für das Ökozentrum nicht genügend Mieter finden. Peiner lässt jetzt von der Sprinkenhof AG ein neues Nutzungskonzept entwickeln. Neben Ökoprodukten wird künftig wohl auch Platz für weitere Angebote sein.
VIVO-Pressesprecher Peter Moll war nicht zu erreichen. Noch am vergangenen Dienstag erklärte Moll gegenüber der Altonaer Zeitung, dass "70-80 Prozent der publikumsrelevanten Flächen im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss vermietet sind." Aber die bisherigen Bilanzen des Betreibers seien "extrem geschönt", zitiert das Abendblatt Karl-Heinz Ehlers, Vorstandsmitglied der Sprinkenhof AG.
Ursprünglich sollte das Ökozentrum im Oktober letzten Jahres öffnen. Weil es aber zuwenig Mieter gab, musste die Einweihung verschoben werden. Laut Moll sollte am 02. April die "Eröffnungsphase" beginnen und die Geschäfte nach und nach einziehen. Er hoffte, dass Ende des Jahres die Flächen zu 100 Prozent vermietet sein könnten.
Am 21. März öffnet die VIVO-Apotheke. Wie geplant werden wahrscheinlich am 02. April auch weitere Geschäfte öffnen. Das Haut- und Allergiezentrum Vieluf ist bereits jetzt im zweiten Obergeschoss eingezogen.


Wie plant die Bürgerschaft weiter?
Lesen Sie hier eine Mitteilung des Senats an die Bürgerschaft vom 4. Januar 2004


Pressemitteilung der Finanzbehörde vom 6. Januar 2004
Richtungsentscheidung: Neues Nutzungskonzept für die Liegenschaft des ehemaltigen „VIVO!“
Der Senat hat sich in seiner heutigen Sitzung dafür entschieden, die Liegenschaft des ehemaligen „VIVO!“ in Hamburg-Ottensen künftig teils durch städtische Einrichtungen zu belegen und teils privatwirtschaftlich ohne inhaltliche Beschränkungen zu vermieten. Dadurch sollen die laufenden Kosten des bisher als „Nachhaltigkeitszentrum“ geplanten Objektes sowie die bestehenden Haushaltsrisiken gesenkt werden. Für die Umwidmung und die Eigennutzung ist die Zustimmung der Hamburgischen Bürgerschaft erforderlich.
Staatsrat Dr. Robert Heller: „Das vom Vorgängersenat in den neunziger Jahren beschlossene Konzept für ein Zentrum für nachhaltiges Wirtschaften 'VIVO!' hat sich als wirtschaftlich nicht tragfähig erwiesen. Auch die im Auftrag der Finanzbehörde von der Sprinkenhof AG (SpriAG) geprüften Szenarien: Leerstand, Verkauf, Insolvenz hätten zu wirtschaftlich nicht vertretbaren Belastungen geführt. Deshalb hat sich der Senat für eine maßgebliche Eigennutzung als wirtschaftliche Basis entschieden. Nur so kann das Ziel erreicht werden, Risiken für den Haushalt zu minimieren.“
Eine derartige Nutzung ist darüber hinaus stadtteilverträglich und beeinträchtigt nicht bestehende Einzelhandelsgeschäfte.
Der Senat hat die Finanzbehörde heute gleichzeitig damit beauftragt, bis zu den Haushaltsberatungen 2005 den oder die staatlichen Einrichtungen als Nutzer, dessen bzw. deren Raumbedarfe, die Mietkonditionen sowie mögliche Umzugstermine zu konkretisieren.
Rückfragen an: Finanzbehörde/Pressesprecher Finanzen Burkhard Schlesies
Tel: (040) 428 23 - 1662/Fax: (040) 428 23 - 2230/E-Mail: burkhard.schlesies@fb.hamburg.de


„Hamburger Abendblatt“ vom 7. Januar 2004:
Neue Pläne für die Vivo-Bauruine
Es gilt mittlerweile als eine der schicksten Bauruinen der Stadt und kostete die Steuerzahler bislang rund 46 Millionen Euro - 2,5 Millionen Euro allein im letzten Jahr. Die Rede ist vom Öko-Einkaufszentrum Vivo an der Bahrenfelder Straße (Ottensen).
Jetzt soll etwas passieren: In seiner gestrigen Sitzung hat sich der Senat für ein neues Nutzungskonzept für das so genannte Nachhaltigkeitszentrum entschieden. Künftig sollen in dem Gebäude zum einen städtische Einrichtungen einziehen, zum anderen Geschäfte und Gastronomie angesiedelt werden.
Das einstige Prestige-Objekt des damals rot-grünen Senats verschlang umgerechnet rund 40 Millionen Euro Baukosten. Bauherr und Investor war die Hamburger Gesellschaft für Grundstücksverwaltung und Projektplanung (HaGG). An dieser ist die Stadt mit 60 Prozent beteiligt, 20 Prozent halten jeweils die Handels- und die Handwerkskammer. Ursprünglich war geplant, dass etwa 70 Ökobetriebe in das viergeschossige Eckgebäude einziehen. Doch dazu kam es nie. Zweimal musste das Einkaufszentrum seinen Eröffnungstermin verschieben, weil der Kölner Vermarkter ecomAG nicht genügend Mieter für die insgesamt 20 000 Quadratmeter große Fläche fand. Im März erklärte Finanzsenator Wolfgang Peiner (CDU) das Konzept für nicht tragbar, es sei „ein reines Zentrum für Öko-Freaks", für das es „zu wenig Mieter und zu wenig Kunden" gebe, hieß es damals. Peiner beauftragte den Vorstandschef der Sprinkenhof AG, Karl-Heinz Ehlers, eine sinnvolle Lösung für den Komplex zu finden. Die Sprinkenhof AG prüfte unterschiedliche Möglichkeiten. Das Ergebnis: „Leerstand, Verkauf und Insolvenz hätten zu wirtschaftlich nicht vertretbaren Belastungen geführt“, sagt Staatsrat Robert Heller.
Aus diesem Grund entschloss sich die Stadt für das neue Nutzungskonzept, um die laufenden Kosten zu minimieren. Diese belaufen sich allein in diesem Jahr auf rund 2,8 Millionen Euro. Damit es diesmal funktioniert, soll auf inhaltliche Beschränkungen bei der Vermietung verzichtet werden: „Wir sind im Prinzip für alles offen, egal, ob Fitnesscenter, Einzelhändler, Restaurant oder auch Arztpraxis", sagt Finanzbehörden-Sprecher Burkhard Schlesies (37).
Welche städtischen Einrichtungen letztendlich einziehen, wird durch eine Behördenumfrage geklärt. Die Ergebnisse sollen im Sommer vorliegen. „Wir hoffen, dass Ende dieses Jahres die ersten Mieter einziehen und endlich Leben in das Zentrum kommt", so Schlesies. Die Zustimmung der Bürgerschaft für die Pläne steht noch aus. ari/ug



zurück   top Impressum